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Krebstherapien im Überblick

Historischer Rückblick

Chirurgie und Medizin

Bei der Krebsbehandlung stand zunächst die Chirurgie im Vordergrund, die lange Zeit neben der Medizin ein unabhängiges Fachgebiet darstellte.

Arzneimittel im modernen Sinn – nach dem Verständnis der Pharmakologie – sind erst seit etwa einem Jahrhundert verfügbar und erleben seit der Mitte des 20. Jahrhunderts durch die pharmazeutische Chemie enormen Auftrieb.

Viele der potentesten Arzneimittel stammen ursprünglich aus der Natur; neben dem Penicillin auch Substanzen wie Digitalis oder die Taxane. Die ersten Taxane, hochwirksame Zytostatika etwa zur Behandlung von Brustkrebs, wurden ursprünglich aus der Pazifischen Eibe gewonnen.

Senfgas: Auslöser für die Entwicklung der zytostatischen Chemotherapie

Die systematische Entwicklung der zytostatischen Chemotherapie begann in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Bei Soldaten, die einen Senfgas-Angriff überlebt hatten, beobachtete man, dass die weißen Blutzellen stark reduziert waren und sich nur sehr langsam wieder erholten. Man versuchte, diesen Effekt zunächst für die Behandlung von Leukämien zu nutzen. Allerdings dauerte es viele Jahre intensiver medizinischer Forschungsarbeiten und des Einsatzes des Lebens vieler Leukämiepatient/innen, um das viel zu giftige Senfgas durch Substanzen zu ersetzen, deren Auswirkungen auf den Gesamtorganismus vertretbar waren, welche die Krebszellen aber trotzdem zerstören konnten.

Bestrahlungsbehandlungen

Marie Curie hatte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die Radioaktivität wissenschaftlich erforscht und dafür 1911 den Nobelpreis erhalten. Bald darauf begann die Medizin, die zerstörerische Wirkung der radioaktiven Strahlung für die Krebsbehandlung zu nutzen. Die Entwicklung von Linearbeschleunigern ab der Mitte des 20. Jahrhunderts erlaubte den gezielten Einsatz der Strahlentherapie.

Chirurgie und Strahlentherapie sind seit langem etablierte und unwidersprochene wichtige Säulen in der Krebstherapie. Auf dem Gebiet der medikamentösen Behandlung wurden in den vergangenen Jahren außerordentliche Fortschritte erreicht. Viele neue Wirkstoffe richten sich gezielt gegen ausgewählte Angriffspunkte im Tumor (Targets). Diese molekular zielsicheren Krebstherapeutika (Targeted Therapy) bieten – im Vergleich zu einer klassischen Chemotherapie – die Chance auf eine wirksamere Behandlung mit geringeren Nebenwirkungen für die Krebspatient/innen.

Erste Versuche zur Immuntherapie von Krebs

Die Idee, das Potenzial des Immunsystems zur Behandlung von Krebserkrankungen zu nutzen, tauchte schon am Ende des 19. Jahrhunderts auf: Der New Yorker Arzt William B. Coley berichtete 1893 erstmals über seine Versuche zur immunologischen Krebsbehandlung. Er injizierte hitzeinaktivierte Bakterien in den Tumor, worauf sich ein Abszess bildete, der im umgebenden Tumorgewebe beträchtlichen Kollateralschaden verursachte und dieses so zerstörte. Unter dem Namen Coley’s Toxin blieb diese Behandlungsmethode lange Zeit eine vielfach eingesetzte Ergänzung der Chirurgie.

Noch heute wird diese Behandlung in prinzipiell gleicher Weise eingesetzt. Die Inokulation des Tuberkuloseimpfstoffs BCG (Bacillus Calmette-Guérin), eines abgeschwächten Tuberkuloseerregers, in das Tumorgewebe gehört zur Standardtherapie des Harnblasenkarzinoms.

Entwicklungsschritte der Krebstherapie

Die vierte Säule der Krebsbehandlung

Operation, Bestrahlung und medikamentöse Behandlung stellen die klassischen Therapiemöglichkeiten bei Krebs dar. Die Krebsimmuntherapie hat das Potenzial, in der Behandlung neoplastischer Erkrankungen zur vierten Säule der Krebsbehandlung zu werden. 2010 erfolgte die erste Zulassung einer Krebsimmuntherapie auf Basis Dendritischer Zellen für die Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms.

Die vier Säulen der Krebstherapie

Krebsimmuntherapie

Ziel der Krebsimmuntherapie ist es, das Immunsystem in die Lage zu versetzen, die Krankheit selbst unter Kontrolle zu bringen.

Die Konzepte der Krebsimmuntherapie sind beinahe so vielfältig und komplex wie das Immunsystem selbst. Es gibt Technologien, die auf T-Zellen basieren und solche, bei denen Patient/innen Tumorantigene mit verschiedenen Adjuvantien verabreicht werden; die Tumorantigene können auf Dendritische Zellen (DC) geladen, in das Genom eines Virus eingebaut, als synthetische Peptide verabreicht werden; es werden autologe oder allogene Tumorzellen oder Zelllinien mit oder ohne genetischer Veränderung eingesetzt; oder Gene für immunstimulierende Moleküle werden injiziert.

Zurzeit werden Krebsimmuntherapien zumeist als Zusatz zur konventionellen First Line Krebstherapie verabreicht (Add-on Therapy). Das Ziel ist aber, dass sich die Krebsimmuntherapie zu einem eigenständigen Konzept im Arsenal der Onkologen im Kampf gegen Krebs entwickelt.

Das ideale Einsatzgebiet der Krebsimmuntherapie wird in der sogenannten adjuvanten Krebsbehandlung gesehen. Zumeist versteht man darunter eine medikamentöse Behandlung, die zur Sicherheit gegeben wird. Die adjuvante Therapie wird angewendet, wenn ein Tumor chirurgisch entfernt werden konnte, man aber nicht absolut sicher sein kann, dass nicht doch noch winzige Reste zurück geblieben sind. Aus diesen Resten könnte sich ein neuer Tumor entwickeln. Der Vorteil der Krebsimmuntherapie in diesem Fall ist, dass sie aus heutiger Sicht praktisch keine Nebenwirkungen hat. Im Gegensatz dazu, ist beim Einsatz von Zytostatika in der adjuvanten Chemotherapie mit zum Teil beachtlichen Nebenwirkungen zu rechnen.



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